Blutzucker erhöht? So verstehst du deine Blutzuckerwerte richtig! (Nüchternzucker, Insulin, HOMA-Index und HbA1c)
Viele leben mit mit einer täglichen Zuckerachterbahn, ohne es so zu wissen. Wie zeigt sich das? Du wirst nach dem Essen müde, hast zwei Stunden später schon wieder Hunger, rutschst in Heißhunger und merkst, dass deine Energie am Tag irgendwie nicht konstant ist. Genau an diesem Punkt lohnt es sich, das Thema Blutzucker nicht als „Diabetes ja/nein“ zu sehen, sondern als Hinweis darauf, wie dein Stoffwechsel gerade arbeitet. Nicht nur über den Blutzucker, sondern auch über die Blutwerte Insulin, HbA1c und den HOMA-Index. Wichtig: Blutzuckerwerte können hier noch unauffällig aussehen, obwohl dein Körper im Hintergrund schon stark kompensiert. Auf deinem Laborzettel bzw. Laborbefund findest du viele (oft versteckte) Antworten.

Auf einen Blick
- Nüchternblutzucker zeigt deinen Zucker-Grundpegel (Wichtig: Messung 10-12 Stunden nach dem letzten Essen).
- HbA1c ist der Langzeitwert und hilft dir, Muster deines Blutzuckers über ca. 12 Wochen zu erkennen.
- Messung des Insulin im Blut zeigt, wie stark dein Körper arbeiten muss, damit dein Blutzucker stabil bleibt.
- Der HOMA-Index macht diese Hintergrundarbeit sichtbar und zeigt dein Risiko bzw. Wahrscheinlichkeit einer möglichen Insulinresistenz an.
Blutzucker Normalwerte: Was ist normal und was ist erhöht?
Wenn du nach „Blutzucker Normalwerte“ suchst, findest du überall offizielle Grenzbereiche. Die sind als medizinische Orientierung wichtig, v.a. um Diabetes frühzeitig zu erkennen. Gleichzeitig sind sie oft grob und bilden nicht immer ab, wie nah du dich an echter Stoffwechsel-Gesundheit bewegst. Genau deshalb arbeite ich als ganzheitliche Ärztin zusätzlich mit Erfahrungsbereichen, die näher am Alltag sind und früher sichtbar machen, wenn der Körper schon stark kompensiert. Diese findest du dann in meinem Buch Blutgeflüster.
Offizielle Orientierung (je nach Labor/Leitlinie, nüchtern im Blutplasma):
- Normal: unter 100 mg/dl (unter 5,6 mmol/l)
- Grenzbereich (gestörte Nüchternglukose): 100–125 mg/dl
- Diabetes-Verdacht: ab 126 mg/dl (muss ärztlich bestätigt werden)
Wichtig für den Alltag: Wenn dein Nüchternzucker wiederholt im Grenzbereich liegt, ist das kein Grund für Panik, aber ein sehr guter Grund, genauer hinzuschauen.
Was Insulinresistenz ist (ganz einfach und bildhaft)
Insulin ist ein Schlüssel im Zuckerstoffwechsel und hilft, den Zucker aus deinem Blut in die Zellen zu bringen, damit du ihn als Energie (als ATP) nutzen kannst. Insulinresistenz bedeutet, dass deine Zellen aber schlechter auf diesen Schlüssel reagieren. Bildliches Beispiel: Stell dir vor, das Schloss klemmt. Dann musst du stärker drücken und öfter drehen. Realität: Deine Bauchspeicheldrüse produziert mehr Insulin, um den Zucker trotzdem in die Zellen zu bekommen.
Der Blutzucker kann hierbei noch normal aussehen, da dein Körper im Hintergrund noch alles gibt, um das Gleichgewicht zu halten. Aber dieses ständige Ausgleichen zeigt oft Symptome wie Müdigkeit und Heißhunger im Alltag.
Typische Symptome einer Blutzucker-Achterbahn
Wenn der Zuckerstoffwechsel im Chaos versinkt, merkst du das oft zuerst im Alltag statt im Labor:
- Müdigkeit nach dem Essen, besonders nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten (Fresskoma) 🙂
- Heißhunger, besonders auf Süßes oder schnelle Snacks (salzig und fettig)
- Energie-Crashs am späten Vormittag oder Nachmittag (das berühmte Mittagstief)
- Unruhe, Zittern und Reizbarkeit (Motto: Ich muss jetzt sofort essen, sonst dreh ich durch!)
- Mehr Bauchfett oder das Gefühl, am Bauch schneller (und leichter) zu zunehmen
- Brain Fog (Gehirnnebel) und Konzentrationsstörungen
Das ist keine Diagnose, aber wenn du dich hier wiederfindest, ist es sinnvoll, die richtigen Werte im Blut zu messen (und hier nicht nur Glukose)

Welche Werte beim Blutzucker Panel Basischeck dazugehören (einfach und verständlich)
1) Nüchternglukose (Nüchternblutzucker)
Das ist der Blutzucker nach einer längeren Essenspause, am besten morgens nach dem Aufwachen. Er zeigt deinen Grundpegel an Zucker im Blut. Ein einzelner Ausreißer ist hier aber weniger spannend als ein wiederkehrendes Muster.
2) HbA1c (Langzeitblutzucker)
HbA1c ist wie dein Blutzucker-Gedächtnis. Er zeigt, ob der Blutzucker in den letzten Wochen insgesamt eher normal oder häufiger erhöht war. Er erklärt aber nicht jede Achterbahn im Alltag, sondern ist eher ein Durchschnittswert.
3) Nüchterninsulin
Das ist für viele der fehlende Schlüssel. Insulin sagt dir, wie viel dein Körper investieren muss, damit der Blutzucker stabil bleibt bzw. sich nach einer Mahlzeit schnell wieder beruhigt. Zusammenhang: Glukose zeigt das Ergebnis, Insulin zeigt den Aufwand.
Nüchterninsulin zu hoch: Was bedeutet das?
Wenn Insulin nüchtern deutlich erhöht ist, heißt das nicht automatisch „Diabetes“. Es heißt, dass dein Körper stärker arbeiten muss, um den Zucker im Griff zu behalten. Viele fühlen sich genau in dieser Phase schon nicht mehr wohl, obwohl Glukose oder HbA1c ggf. noch okay sind.
Das ist einer der Gründe, warum ich in meiner Praxis nicht nur auf Zucker schaue, sondern immer auf das Gesamtbild aus Symptomen, Verlauf, Insulin (inkl. HOMA-Index), Blutfette und Bauchumfang.
HOMA-Index: Wie man ihn berechnet und was er bedeutet
Der HOMA-Index ist eine Rechenhilfe aus Nüchternglukose und Nüchterninsulin. Er macht sichtbar, wie stark dein Körper im Hintergrund (schon) kompensieren muss. Wichtig: Er ist nur sinnvoll, wenn die Blutabnahme wirklich nüchtern war.
Formel (Glukose mg/dl, Insulin µU/ml):
HOMA-IR = (Glukose × Insulin) / 405
Mini-Beispiel:
Nüchternglukose 95 mg/dl, Nüchterninsulin 12 µU/ml
→ (95 × 12) / 405 ≈ 2,8
Was heißt das in diesem Beispiel konkret? Bei 2,8 läuft schon eine reale Insulinresistenz im Hintergrund. Und ja: Je höher der HOMA-Index, desto eher spricht es für Insulinresistenz. Aber die exakten Cut-offs unterscheiden sich je nach Quelle und Kontext, deshalb ist eine Einordnung als Gesamtbild wichtiger als eine einzelne Grenzzahl)
Typische Stolperfallen, die die Werte verfälschen
- Nicht nüchtern: Dann sind Nüchterninsulin und HOMA-Index praktisch nicht interpretierbar. Mindestens 10-12 Stunden nicht essen oder trinken (außer Wasser und ungeübten Tee).
- Schlafmangel und Stress: Können Nüchternzucker nach oben ziehen (erhöhen), auch wenn du eigentlich gesund isst.
- Vergleichbarkeit: Wenn du einen guten Verlauf willst, miss nicht jedes Mal unter völlig anderen Bedingungen.
Ärztliche Abklärung: Wann du dranbleiben solltest
Eine genauere Abklärung bei deinem Arzt oder Ärztin ist sinnvoll, wenn:
- Nüchternblutzucker wiederholt im Grenzbereich (100–125 mg/dl) liegt
- HbA1c auffällig ist oder Richtung Grenzbereich geht
- Nüchterninsulin deutlich erhöht ist oder der HOMA-Index hoch ausfällt
- du starke Symptome hast (Beispiele: Crashs, Heißhunger, Müdigkeit nach dem Essen, Gewichtszunahme, Energiemangel, Erschöpfung, Wassereinlagerungen, vermehrtes Wasserlassen in der Nacht)
Das Ziel ist nicht, dich zu verunsichern. Das Ziel ist, dass du verstehst, was dein Stoffwechsel gerade macht und dass du früh genug die richtigen Hebel mit guter medizinischer Begleitung in Bewegung setzen kannst.
Wenn du Blutwerte wirklich verstehen willst, statt nur Zahlen zu sammeln
Dein Zuckerstoffwechsel ist selten nur ein Wert, sondern ist ein Muster aus Glukose, HbA1c, Insulin, HOMA-Index und deinem echten (!) Alltag.
In meinem Buch Blutgeflüster findest du dazu zusätzlich Erfahrungsbereiche und typische Muster, die im Alltag oft mehr erklären als ein einzelner Grenzwert. Wenn du tiefer einsteigen willst, findest du hier den Einstieg in die Welt der Blutwerte in einfacher Sprache ohne medizinische Fachsprache:
FAQ: Blutzucker, Insulin und HOMA-Index
Als offizielle Orientierung gilt: nüchtern unter 100 mg/dl ist normal. Werte zwischen 100 und 125 mg/dl gelten als Grenzbereich und sollten eingeordnet werden. Ich als Ärztin sehe diese Grenzwerte aber trotzdem kritisch, da sie meiner Erfahrung nach zu hoch angesetzt sind.
Ein einzelner erhöhter Wert kann viele Ursachen haben. Entscheidend ist, ob sich diese Ausreißer wiederholen und wie Insulin und HbA1c dazu aussehen.
HbA1c ist eine grobe Rückschau der letzten drei Monate. Du kannst Schwankungen im Alltag haben und trotzdem auf deinem Laborzettel einen „noch normalen“ HbA1c haben. Dann lohnt sich der Blick auf Insulin und HOMA-Index sehr stark.
Er ist eine Rechenhilfe aus Nüchternglukose und Nüchterninsulin und zeigt, wie stark dein Körper im Hintergrund mit Insulin kompensieren muss.
