TSH normal, aber du hast trotzdem Symptome? Schilddrüsenwerte und wirklich verstehen!
Du bist müde, obwohl du genug schläfst? Du frierst, während andere im T-Shirt rumlaufen? Deine Haare werden dünner, dein Kopf ist wie in Watte, und irgendwie fühlt sich alles schwer an? Dann wird häufig die Schilddrüse beim Hausarzt gecheckt. Und dann kommt dieser Satz, den so viele nicht mehr hören können: „Der TSH Wert ist normal, also ist alles in Ordnung.“
Und du sitzt da und denkst: Hä? Wenn alles in Ordnung ist, warum fühle ich mich dann so anders?
Die Schilddrüse ist klein wie ein Schmetterling am Hals, aber sie hat Macht. Sie ist dein innerer Taktgeber. Wenn sie aus dem Takt gerät, merkst du das selten an einem einzigen Symptom, sondern an vielen kleinen Stellen gleichzeitig. Genau deshalb ist die Einordnung über Blutwerte so wichtig. Und genau deshalb reicht es oft nicht, nur den TSH allein anzuschauen.

Schilddrüsenwerte einen Blick
TSH ist der Dirigent. Er gibt das Tempo vor, spielt aber nicht selbst die Musik.Bei Beschwerden lohnt sich fast immer der zusätzliche Blick auf fT4 und fT3 (freie Schilddrüsenhormone).Die Autoimmunerkrankung Hashimoto erkennt man oft über die Messung Antikörper (TPO-AK, TG-AK) und den Verlauf.Antikörper sind ein Hinweis auf Autoimmunität, aber kein Maßstab für die Schwere der Autoimmunprozesse.Biotin, Infekte, Stress und Medikamente können die Werte verschieben.
Warum ein „TSH normal“ nicht automatisch Entwarnung bedeutet
TSH kommt aus der Hypophyse, einer Schaltzentrale im Gehirn. Dein Körper nutzt TSH, um die Schilddrüse zu steuern. Wenn zu wenig Schilddrüsenhormone im Blut unterwegs sind, steigt TSH an und animiert die Schilddrüse mehr zu arbeiten. Wenn genug Hormone da sind, geht der TSH runter. Er ist wie ein Mix aus Bremse und Peitsche. Und das ist ein kluger Regelkreis, aber trotzdem hat er eine Schwäche: Er ist nämlich sensibel. Sehr sensibel.
TSH schwankt natürlicherweise. Er reagiert auf Schlaf, Stress, Infekte, bestimmte Medikamente und sogar darauf, wann (Uhrzeit) du misst. Deshalb kann ein „normaler“ TSH beruhigend wirken, obwohl dein System gerade trotzdem nicht rund läuft. Und umgekehrt kann ein leicht auffälliger TSH auftreten, ohne dass gleich eine eindeutige Diagnose feststeht.
Wenn du nur einen Satz behalten willst, dann diesen: TSH ist wichtig, aber TSH ist nicht die ganze Geschichte.
Schilddrüsen-Symptome: Was sich nach Unterfunktion oder Überfunktion anfühlt…
Viele googeln „Schilddrüsenunterfunktion Symptome“ oder „Hashimoto Symptome“ und finden Listen, die sich anfühlen wie ein Horoskop, denn die Symptome passen irgendwie immer 🙂 Das hilft natürlich nicht weiter und ich möchte dir hier ein paar typische Richtungen mitgeben, die du kennen solltest.
Wenn zu wenig Schilddrüsenhormon ankommt (Unterfunktion)
Dann läuft dein Körper eher auf Standby. Häufig berichten Menschen über:
Müdigkeit, Erschöpfung, wenig Antrieb • Frieren, kalte Hände und Füße, kalte NaseGewichtszunahme (Fett) oder Wassereinlagerungentrockene Haut und diffuser Haarausfalllangsames Denken, Brain Fog, KonzentrationsstörungenVerstopfung (Obstipation)Zyklusprobleme, PMS, unerfüllter Kinderwunsch
Wenn zu viel Schilddrüsenhormon ankommt (Überfunktion)
Dann fühlt es sich eher an, als ob dein innerer Motor zu hoch aufdreht:
innere Unruhe, Nervosität, ZitternHerzklopfen, hoher Puls in RuheSchlafprobleme (oft Durchschlafprobleme)Gewichtsabnahme trotz Hunger und HeißhungerHitzegefühl und Schwitzenhäufiger Stuhlgang oder Durchfall
Und ja: Manchmal ist es nicht so eindeutig, denn viele Menschen haben eine Mischung aus beidem. Genau deshalb lohnt sich die nächste Ebene der Laborwerte für die Schilddrüse.
Die wichtigsten Schilddrüsenwerte, übersetzt in einfache Alltagssprache
Wenn du Schilddrüse verstehen willst, hilft es, die Begriffe und Fachwörter zu entwirren. Dann wirkt der Laborzettel plötzlich nicht mehr wie eine Geheimsprache 🙂
TSH
TSH ist der Steuerwert aus dem Gehirn. Er sagt: „Schilddrüse, mach mehr Schilddrüsenhormone“ oder „Schilddrüse, mach weniger davon“. Er ist wie ein Dirigent, der das Tempo vorgibt, aber nicht selbst die Geige spielt.
fT4 und fT3
Das sind die freien Schilddrüsenhormone. „Frei“ heißt, dass das der Anteil ist, der dem Körper wirklich zur Verfügung steht. (Bioverfügbar)
fT4 ist eher Vorrat und Grundlage.fT3 ist das aktivere Hormon, das direkt an den Zellen wirkt.
Wenn jemand Symptome hat und nur TSH bestimmt wurde, fehlt oft genau hier das entscheidende Puzzleteil. Und die freien Schilddrüsenhormone können oft Licht ins Dunkel bringen.
Antikörper: TPO-AK, TG-AK, TRAK
Antikörper sind ein Hinweis darauf, dass das dein Immunsystem an der Schilddrüse mitmischt.
TPO-Antikörper (TPO-AK) sind typisch bei der Hashimoto Thyreoditis.TG-Antikörper (TG-AK) passen ebenfalls zu Hashimoto und können besonders dann hilfreich sein, wenn TPO unauffällig ist.TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper) passen eher zu Morbus Basedow, also einer autoimmunen Überfunktion der Schilddrüse.
Und jetzt kommt etwas, das viele beruhigt: Antikörper sind kein Thermometer für dein Leiden. Hohe Antikörper bedeuten nicht automatisch, dass du dich schlimmer fühlen musst als jemand mit niedrigeren und auch umgekehrt.
Hashimoto: Warum du dich schon schlecht fühlen kannst, obwohl deine Werte noch normal sind
Hashimoto ist eine häufige, chronische und autoimmune Entzündung der Schilddrüse. Bei vielen Menschen läuft das in Phasen und oft schubweise (manchmal über Jahre). Das erklärt, warum die Antikörper positiv bzw. erhöht sein können, obwohl TSH, fT3 und fT4 noch im Referenzbereich liegen. Das erklärt auch, warum manche Menschen sich hier unverstanden fühlen. Sie haben deutliche Symptome und Hinweise im Blut, aber sie bekommen oft nur den Satz: „Wir sehen nichts, alles ist unauffällig.“
Hier hilft eine andere Frage als „Ist es Hashimoto, ja oder nein?“ Die bessere Frage ist: Passt das Gesamtbild für mich und wie entwickelt es sich im Verlauf?
Bei Hashimoto wird oft auch eine Untersuchung mit Ultraschall genutzt, weil sich so ganz typische Veränderungen der Schilddrüse zeigen können. Und damit die Diagnose unterstützt werden kann.
Typische Denkfehler bei Blutwerten der Schilddrüse, die nur unnötig Zweifel säen
Es gibt zwei Klassiker, die ich als ganzheitliche Ärztin ständig sehe.
Der erste ist die falsche Beruhigung. Du hörst, dass dein TSH Wert normal ist, aber deine Symptome trotzdem klar und deutlich sind. Dann lohnt sich zumindest der Blick auf fT3 und fT4 und manchmal auch auf die Antikörper.
Der zweite Klassiker ist die falsche Panik. Ein einzelner auffälliger Wert wird gesehen und sofort wird eine Diagnose in Stein gemeißelt. Dabei sind Schilddrüsenwerte extrem empfindlich. Sie reagieren auf Timing, auf Infekte, auf Medikamente, auf Supplements und ein Momentwert kann nur ein Hinweis sein, aber selten das ganze Bild.
Deine Schilddrüse ist wie ein Orchester. Du willst nicht nur auf den Dirigenten schauen. Du willst hören, wie das Musikstück insgesamt klingt.
Stolperfallen bei der Blutabnahme: Warum Blutwerte manchmal anders reagieren
Wenn deine gemessenen Schilddrüsenwerte nach der Blutabnahme nicht zu deinen Symptomen passen, liegt es manchmal nicht an dir, sondern an besonderen Bedingungen.
Ein paar typische Punkte:
- Biotin, oft in Haar- und Nagelpräparaten, kann Laborwerte verfälschen. Gerade wenn du wegen Haarausfall Supplements nimmst, ist das wichtig. Der TSH kann hier manchmal zu niedrig wirken.
- Infekte und Entzündungen können Werte verschieben.
- Bestimmte Medikamente beeinflussen auch die Schilddrüsenachse.
- Verlaufskontrollen werden besser, wenn du halbwegs vergleichbar misst, also nicht einmal nach einer schlaflosen Nacht, einmal mitten im Infekt und einmal mit komplett neuen Supplementen bzw. Nahrungsergänzungsmitteln.
Das heißt nicht, dass du alles perfektionieren musst, es heißt nur, dass Blutwerte nicht losgelöst vom Leben sind. Sie sind ein Spiegel deines Alltags.
Ärztliche Abklärung: Wann du dranbleiben solltest
Du musst dich nicht verrückt machen. Aber du darfst ein paar Dinge ernst nehmen.
Eine genauere Abklärung ist besonders sinnvoll, wenn:
- Symptome über Wochen oder Monate anhalten und du unter deinem Alltag spürbar leidest
- Herzrasen, starke Unruhe, deutliche Gewichtsveränderungen oder Zyklusprobleme dazukommen
- Die Diagnose Hashimoto im Raum steht, weil Antikörper im Laborbefund positiv sind oder der Ultraschall der Schilddrüse auffällig war
- Kinderwunsch oder Schwangerschaft eine Rolle spielen
Und wichtig: Dieser Artikel ist keine Therapieanleitung, sondern eine Orientierung.
Wenn du Blutwerte wirklich verstehen willst
Viele Menschen haben nicht zu wenig Blutwerte auf ihrem Laborzettel stehen, sondern zu wenig Erklärung und Übersetzung. Sie bekommen Zahlen und Abkürzungen, aber ihnen fehlt die Einordnung dazu.
Genau dafür ist mein Buch Blutgeflüster da. Es übersetzt Laborbefunde in Alltagssprache, zeigt typische Stolperfallen bei der Blutabnahme und hilft dir, Werte im Zusammenhang zu lesen und das mit viel Struktur und Klarheit.
FAQ: Schilddrüse, TSH und Hashimoto
Das hängt vom Labor und von deiner Situation ab. Wichtig ist nicht nur die Zahl, sondern ob sie zu deinen Symptomen passt und wie sich TSH zusammen mit fT3 und fT4 zeigt. Die Referenzwerte sind hier sehr verschieden, aber oft zu breit aufgestellt.
Ja, das ist möglich, denn TSH ist (nur) ein Steuerwert. Wenn Beschwerden da sind, lohnt sich oft der erweiterte Blick auf fT3, fT4 und je nach Verdacht auch auf die Antikörper.
Auf jeden Fall die TPO-AK 8TPO Antikörper) und die TG-AK, plus die Basiswerte der Schilddrüse TSH, fT3 und fT4. Die Antikörper zeigen übrigens nicht, wie stark deine Hormone durch den Autoimmunlage in deinem Körper gerade entgleist sind, sondern nur ob ein Prozess an der Schilddrüse stattfindet.
Die TRAK passen eher zu Morbus Basedow, also einer autoimmunen Überfunktion der Schilddrüse. Hashimoto ist häufiger mit positiven TPO-AK und/oder TG-AK verbunden.
Ja, Biotin ist hier ein Klassiker, aber auch Medikamente können einen Einfluss haben. Deshalb gehören zur Interpretation immer die Fragen: Was nimmst du aktuell ein und wann wurde Blut abgenommen?
Das hängt von der aktuellen Funktion der Schilddrüse, deinen Beschwerden und Verlauf ab. Hashimoto kann schon lange bestehen, bevor eine klare Unterfunktion entsteht. Entscheidend ist die individuelle ärztliche Einordnung, nicht eine Pauschalregel.
